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Dietrich-Bonhoeffer Schule Schönberg (Grund- und Mittelschule)
aktualisiert 11.11.17

Bericht aus der PNP vom 1.6.17

In die Natur „gelinst“

522 Kinder aus 28 FRG-Grundschulklassen machen sich bei Waldjugendspielen
auf Entdeckertour

FRG/Saldenburg.
„Sind das die Babys von den Borkenkäfern?“ Das will eines der
Kinder wissen. „Nein“, sagt Förster Simon Hackl: „Borkenkäfer sind beide.“ Aber
während der große als Kollege Buchdrucker deutlich sichtbar seine zerstörerische
Spuren mit Bohrmehl, Einbohrloch und dann den Brutgängen unter der Rinde
hinterlässt, ist der Kupferstecher wie in der Kunst auch viel feiner unterwegs. Das
Ergebnis ist aber jeweils, dass befallene Bäume schnellstmöglich aus Wirtschafts-
wäldern raus müssen, damit sich der Schädling nicht noch breiter macht. Bei den
diesjährigen Waldjugendspielen im Saldenburger Forst war auch das ein Thema für
die Forscher der Grundschulen.
Bestes Klassenzimmer der Welt
Die Bayerische Staatsforstverwaltung mit dem Amt
für Ernährung, Landwirtschaft und
Forsten war auf Initiative der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald wieder mit etwa 25
Forstpaten, Förstern und Waldarbeitern zwei Tage lang ausgerückt, um einen etwa
dreistündigen Rundweg durch den Saldenburger Forst zum „besten Klassenzimmer der
Welt“ zu machen. Zuvor haben die Grundschüler aus dem ganzen Landkreis schon jede
Menge Theorie im Heimat- und Sachkundeunterricht genossen, um sich nun auch an der
Praxis zu messen. Da galt es dann Tiere im Wald (auf Tafeln) zu finden und zu benennen,
Baumarten an Rinde, Blättern oder auch Zapfen zu erkennen oder auch bei einer Ratestaffel
den Bogen hin zum sportlichen Teil zu spannen. Denn neben Köpfchen ist auch
Teamleistung gefragt beim Holzstapelumschichten oder Geschick und Koordination beim
Blätterangeln und Turmbauen.
Da die Waldjugendspiele heuer unter dem Motto „Wald und Wasser“ standen, ging es auch
um die Funktion des Waldes als Trinkwasserspeicher und Bio-Klimaanlage mit permanenter
Filterfunktion. Dass es da eine gut durchmischte Waldgesellschaft verschiedenen Alters
braucht, um auch dem Waldkauz als Vogel des Jahres Heim und Höhle zu bieten, das passe
auch gut zur hierzulande praktizierten Waldbewirtschaftung möglichst mit Einzelentnahmen
und natürlicher Verjüngung, erklärt Forstoberrat Gerhard Lichtenwald.
Wie das geht und welche Werkzeuge der Waldarbeiter da einsetzt, das gab es heuer abseits
des Wettbewerbs auch zu sehen. Die Forstverwaltung hatte Traktor, Seilwinde, Motorsäge
und Sicherheitsausrüstung in Aktion aufgebaut. Wald ist ja – außerhalb der Nationalparke
oder sonstiger besonderer Schutzgebiete – auch Wirtschaftszone für einen besonderen
Rohstoff, den es mit viel Sorgfalt für alle möglichen anderen Zwecke von Freizeit über Jagd
und von Wasserschutzgebiet bis coole Klimazone zu nutzen gelte, um auch nachhaltig zu
bewahren, so Lichtenwald.
Da ergebe sich auch ein Anknüpfungspunkt an die Jugend, weil die Generation der
klassischen Waldbesitzer mit Hof und Säge langsam verschwinde und die Verantwortung
dennoch bleibe. Wie etwa auch bei der Borkenkäferthematik. Heuer schwärmen die
Druckergesellen besonders fleißig, seit es heiß und trocken ist. Da wäre der sorgsame Blick
auf die Bäume extra wichtig, um früh zu reagieren. Aber Natur und Mensch entfremden sich
da eher noch durch neue Berufsbilder oder Vererbung an urbanere Besitzer.
Der Wald macht „auf gutes Klima“
Frage man heutzutage querbeet Menschen nach ihren individuellen Erwartungen an und
nach deren Wunschbild von Wald, dann erhalte man doch zunehmend erstaunliche
Antworten, neben denen der Fachmann sich bisweilen nur wundern könne. Also kann es
auch hier nicht schaden, sich früh „Verbündete im Geist“ ins Boot zu holen.
PNP01.06.2017